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Boy With Apple: Navigation (Review)

Artist:

Boy With Apple

Boy With Apple: Navigation
Album:

Navigation

Medium: CD/Download/LP farbig
Stil:

Noise- und Indie-Pop, Shoegaze

Label: Welfare Sounds & Records, Redeye/Bertus
Spieldauer: 40:05
Erschienen: 24.04.2026
Website: [Link]

Sind die Äpfel der Jungs mehr zum Anbeißen als ihre Nüsse?
Das könnte für den Einen oder die Andere gleich die erste existenzielle Frage sein, bevor er sich auf die schwedische Indie-Noise-Shoegaze-Pop-Band BOY WITH APPLE einlässt, die auf „Navigation“ diesbezüglich noch keine Antwort finden, dafür aber mit einem sehr emotionalen und zugleich ziemlich melancholischen Album, das besonders von düsteren Pop-Sounds, aber auch von hochtönenden flotteren Rhythmen geprägt ist, aufwarten.
Lange, etwas verschachtelte Einleitung?!
Ähnliche Eindrücke weckt allerdings auch dieses Album, dessen LP-Cover etwa so viel aussagt wie – na ja – wie schwarz-weiße Wellenbewegungen eben. Darum denken wir mit der Musik des Album-Openers im Hinterkopf den hinführenden Gedanken über den nusslosen Jungen und seinen Apfel einfach weiter, während sich langsam die Musik wie toxischer Klebstoff in unseren Gehörgängen festsetzt.


Oder könnte das gleich wieder die Gleichstellungsbeauftragte auf den Plan rufen, die wütend fragt: Warum haben die Jungs nur den Apfel – wo bleiben denn da die Mädchen?
Doch auch für die kann bei BOY WITH APPLE Entwarnung gegeben werden: Bei dieser schwedischen Shoegaze-Band haben ganz offensichtlich zwei Damen das Sagen und Singen und auch ist mit einem männlich-weiblichen 2/2 das Quartett eindeutig alle woken Spielregeln einhaltend optimal besetzt.
Nur tut das auch der Musik gut?
Nicht immer – so sehr sich dieser Vierer auch in Sachen modernen Indie-Noise-Pops ins Zeug legt und sogar das farbige Vinyl mit fein bedruckter LP-Innenhülle samt aller Texte ausstattet. Auch auf der ist – passend zum verheißungsvollen Album-Opener „Come Down“ – eine junge Dame in verführerisch erscheinender, liebevoller Pose zu sehen. Also bitte: Runterkommen!


Doch es geht hauptsächlich um die giftigen Beziehungen, die eigentlich in erster Linie auf „Navigation“ textlich thematisiert werden, ob nun in „Toxic Glue“ oder der ersten Single-Auskopplung „Feeble“.
Eine Gute-Laune-Platte ist diese LP im Grunde zu keiner Zeit. Hier wird mehr Melancholie, Verunsicherung und Trauer vertont, als jener von vielen so gerne aufgesetzte Friede-Freude-Eierkuchen-Duktus, hinter dem man eigentlich nur seine eigenen, tiefsitzenden Ängste verbirgt.
Oder diese ewig treibenden Ängste, wenn man auf die große Liebe aus ist, doch gerade diese 'große Liebe' nur eine Freundschaft akzeptiert – wie in „Simplicity“: „You say you can't give me love / but still you take mine“.


Ähnliche Stimmungen verbreiteten die 2020 in Göteborg gegründeten BOY WITH APPLE bereits auf ihrem Debüt „Attachment“. Nahtlos knüpft daran nun „Navigation“ an, welche der Göteborger Vierer als logische Fortsetzung sieht und feststellt: „Wenn es bei 'Attachment' darum ging, ein Verständnis dafür zu entwickeln, wo man gewesen ist und woher man kommt, dann ist 'Navigation' der nächste Schritt – künstlerisch, klanglich und menschlich vorausschauend.“

Besonders bewegt einen hierbei „Julia“, eine Form Gedenken und Liebeserklärung zugleich, auch wenn diese „Julia“ wohl nicht mehr unter uns weilt: „I touch the ground / to know that I'm still here, yeah / Outside mars gloes red / Beside the moon“.


Dieser Song bescherte (gemeinsam mit „Feeble“) den Göteborgern sogar eine Einladung zum Rockslide Festival, wo sie auf der Gaia-Bühne ihr bisher größtes Konzert – vor insgesamt 3000 Zuschauern/Zuhörern – gaben. Das war 2025. Logisch, dass daraufhin ein weiteres Album folgen sollte, das nun mit „Navigation“ vorliegt. Mitunter pulsierend und tanzbar, dann wieder etwas bedrückend und melancholisch. Offensichtlich mögen die Vier solche Shoegaze-Bands wie MAZZY STAR oder SLOWDIVE, denen sie atmosphärisch – um beim Album-Titel zu bleiben – hinterhernavigieren. Aber nicht auf Autopilot gestellt, sondern selber lenkend und immer mal wieder die Richtung wechselnd. Das tut dem Album gut. Da es nicht zu berechenbar ist. Ein Makel, der oft in der Shoegaze-Szene zu beobachten ist und dem sich auch BOY WITH APPLE nicht gänzlich entziehen können. Gerade beim Gesang wäre es gar nicht so schlecht gewesen, wenn neben den hohen weiblichen Stimmlagen auch ein paar tiefe männliche dabei sein würden.
Vielleicht beim nächsten Mal?!
Dafür gibt’s musikalisch ein paar schwere bis fette Bassmomente, welche die mitunter zu hoch und ziemlich verwaschen abgemischte Platte durchdringen und grundieren.
Vielleicht sollte hier zumindest ein „Come Down“ in puncto Produktion gelten.


Insgesamt ist gerade die Abmischung von „Navigation“ nur mittelmäßig gelungen. So sehr man es auch BOY WITH APPLE anrechnen mag, dass sie alles selber aufgenommen und abgemischt haben. Hier hätte man wohl doch einen Experten (und damit Techniker sowie Nichtmusiker) zurate ziehen sollen.
So fallen auf der „Navigation“-Abmischung so einige verzerrte oder übertrieben verhallte Höhen auf, die den Ohren in gewissen Momenten ein paar widerstandsfähige Trommelfelle abverlangen. Das mindert den Höreindruck erheblich, so sehr auch die eine oder andere Komposition überzeugt. Bei der Entscheidung für das wirklich großartig gestaltete Vinyl im braunen Splatter-Stil hätte hier ein besseres Mastering das gesamte Hörerlebnis aufgewertet.


FAZIT: Shoegaze-Indie-Synthie-Pop-Liebesgrüße aus Schweden mit melancholischer Schwere, aber auch tanzbarer Note präsentieren die zwei Damen und zwei Herren aus Göteborg auf „Navigation“. BOY WITH APPLE legen bei ihrer musikalischen wie textlichen Navigation viel Wert auf klangliche Vielfalt (und ziemlich verwaschenen Sound) zwischen Noise-Pop und elektrifizierten Shoegaze sowie zwei weibliche Stimmen, denen manchmal der männliche Gegenpart fehlt.

Thoralf Koß - Chefredakteur (Info) (Review 114x gelesen, veröffentlicht am )

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8 Punkte
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Tracklist:
  • Seite A (18:46):
  • Come Down (3:37)
  • Simplicity (2:57)
  • Feeble (3:49)
  • Toxic Glue (3:32)
  • Outside My Window (4:06)
  • Gravedigger (0:45)
  • Seite B (21:19):
  • Contact High (5:01)
  • Colours (3:52)
  • Varholmsgatan (4:02)
  • Cigarettes & Cinnamon (Never End) (2:56)
  • Julia (4:07)
  • Wherever (1:21)

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